„Denker, Bauchmensch, Künstler“. Sehr viel kürzer als in Bürgermeister Joachim Hallers Grußwort im Dachgeschoss des Alten Rathauses lässt sich die Person Bernd Weikl kaum beschreiben. Schon der offizielle Titel, nämlich Professor Doktor honoris causa, wäre länger. Vom Versuch, sein Lebenswerk in Worte zu fassen ganz zu schweigen. „Er versteht es immer hervorragend, die Nöte der Kunst und der Wirtschaft zusammen zu fassen“, beschrieb Jolli Haller den Bodenmaiser Ehrenbürger, womit der lediglich den Taten Worte folgen ließ. Bernd Weikl hatte das Museum im Alten Rathaus aus eigenen Mitteln finanziert.

Begrüßende Worte

Nebst Bürgermeister Haller, Altbürgermeister Michael Adam und dem Bodenmaiser Gemeinderat waren zahlreiche Weggefährten des weltberühmten Sängers in den Bayerischen Wald anwesend, um ihm in seinem Heimatort die Ehre zu erweisen, darunter Laudator Doktor Christoph Dammann. Dieser stellte Weikl in seinen einführenden Worten in eine Reihe mit Weltstars wie Caruso, Pavarotti und Domingo, lediglich mit einem Unterschied: Während fast alle prominenten Namen der Oper als Tenöre zu Ruhm und Ehre gelangten ist Weikls unnachahmlicher Bariton sein Alleinstellungsmerkmal. „Ein Jahrhundert-Bariton“, stellte Dammann zusammenfassend fest und ließ die Worte im Raum verklingen. Dass ein Mann des Kulturmanagements, noch dazu einer, der schon zu seinen Studienzeiten von Weikls stimmlichen Qualitäten fasziniert war, hauptsächlich über die musikalischen Errungenschaften sprechen würde war zu erwarten. Doch die Karriere des Bernd Weikl umfasst noch sehr viel mehr Aspekte, ganz so wie Jolli Haller dies eingangs andeutete.

Große Karriere

Geboren in Wien, aufgewachsen in Bodenmais, studierte Bernd Weikl zunächst Volkswirtschaftslehre in Mainz, bevor er ins gesangliche Fach wechselte, um schließlich an der Musikhochschule in Hannover seinen Abschluss zu machen. 1968 debütierte er an der Oper in Hannover, vier Jahre später sang er zum ersten Mal bei den Bayreuther Festspielen. Der Grundstein für eine Weltkarriere war gelegt. Innerhalb der folgenden 30 Jahre war er regelmäßig in den wichtigsten Opernhäusern der Welt engagiert, darunter die Metropolitan in New York, Covent Garden Opera in London, Scala di Milano, Staatsopern in Wien, München und Hamburg sowie in Tokio. Insgesamt kommt Bernd Weikl so auf 120 Rollen in fünf Sprachen. Es folgen die Ernennung zum Hamburger, Bayerischen und Österreichischen Kammersänger und die Ehrenmitgliedschaft der Wiener Staatsoper. 1994 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1995 den Bayerischen Verdienstorden. Quasi nebenbei bleibt er aber immer auch der Wirtschaftswissenschaftler. 1993 promovierte er im Fach Management, thematisch befasste er sich dabei mit dem Spannungsfeld zwischen Kultur und Kommerz, welches insbesondere an den großen Opernhäusern vorherrscht. Und auch als Autor diverser Bücher beschäftigt er sich später mit diesem Thema.

Offizielles Museum

Vieles davon ist schon seit einiger Zeit im Alten Rathaus zu besichtigen und zu erleben. Nun erfolgte quasi der Ritterschlag für die Dauerausstellung im Bodenmaiser Kulturzentrum. Unter dem Titel „Museum Kammersänger Bernd Weikl“ wurde die Sammlung in die Liste der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern aufgenommen. Mit diesem offiziellen Titel gesegnet erwartet das Alte Rathaus nun wochentags zwischen 10 und 17 Uhr interessierte Besucher, die durchaus auch von weit her kommen dürfen. „Diese Ausstellung soll vor allem dem Tourismus dienen“, wurde Bernd Weikl nicht müde zu betonen, wann immer die Frage nach der Motivation für den Aufbau eines Museums gestellt wurde. Er selbst habe keinerlei Erinnerungsstücke in seinem Hauptwohnsitz in Hamburg, alle wichtigen Stationen seines Lebens sind im Bodenmaiser Museum untergekommen, wie er beim Rundgang durch die Räumlichkeiten erklärte. Nebst vielen Plakaten, Bildern und Büchern finden sich auch skurrile Gegenstände, wie der künstliche Bernd Weikl-Kopf aus dem Kinofilm „Salome“. Und natürlich gibt es einiges zu hören aus dem Leben des bekanntesten Bodenmaisers. Oder, wie es Laudator Christoph Dammann bezeichnete: „Am Anfang war der Klang!“

Video Rundgang
Fotos

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht. Markierte Felder sind obligatorisch.*