Leise rascheln die Schritte auf dem trockenen Waldboden. Leise genug, um die Vögel ringsum in ihrem noch spärlichen Gesang nicht zu stören. Ansonsten herrscht absolute Ruhe. Das ist Wolfgangs Welt, oder Woife, wie in hier jeder nur nennt.

Den Beinamen „Woid“ verdankt er einer viel weniger natürlichen, technischen Neuerung, die hier oben, rund um die Hochzell, wenig verloren hat. Hier hat die Natur das Sagen und die einheimischen Tiere, und genau das ist ganz nach Woifes Geschmack. Er liebt sie alle, die Geschöpfe des Hochwaldes, vom kleinsten Krabbeltier bis hin zum stolzen Auerhahn. „Und was man liebt, das schützt man“, ist seine Devise, wie er selbst schon oft unter Beweis gestellt hat. Im Streit um die Erhaltung der Natur hat er sich mit so manchem „Großkopferten“ angelegt, schließlich aber Recht behalten. Nun ist der Hochzellberg Schutzgebiet und Woife kann sich in Ruhe seinen Wanderungen widmen. Seit seiner Kindheit zieht es ihn hinauf in die Berge und eifrig sammelt er Erfahrung über alles, was hier so lebt und wächst. Dieses Wissen gibt er nun in einer einzigartigen Reihe von Wanderungen an alle Interessierten weiter.

Der Natur auf der Spur

Ab Juni führt Woife zweimal im Monat, immer an einem Samstag, eine Wanderung zu seinen Lieblingsplätzen. „Sensible Bereiche werden dabei ganz sicher ausgespart“, erzählt Wolfgang während unserer kurzen Wanderung, „aber trotzdem wird es genug zu sehen, hören und riechen geben.“ Es beginnt mit Wanderungen rund um Silberberg und Riederinfelsen, solange die Schutzzonen in den Hochlagen nicht betreten werden dürfen. Ab Juli geht es dann zumeist vom Bretterschachten aus in die Gebiete, die Woife ganz besonders ans Herz gewachsen sind. Ob hinauf in die Reviere von Falke, Kauz und Bussard, zu den Enzian-Wiesen oder in den Lebensraum von Reh, Luchs und Auerhahn, das Programm ist vielfältig und an die jeweilige Jahreszeit angepasst. „Ich möchte vor allem Aufklären und Erklären, was hier oben passiert. Vielleicht lernt der ein oder andere ja auch die Natur zu lieben wie ich und sieht in Zukunft etwas genauer hin!“

Glück im Unglück

Dass Wolfgang Schreil überhaupt noch diese Touren unternehmen kann ist wahlweise ein Wunder, pures Glück oder eben die robuste Natur, die ihn als echten „Waidler“ auszeichnet. Zwei Schlaganfälle führten dem vierzigjährigen vor Augen, wie schnell alles vorbei sein könnte. Der Gedanke daran lässt ihn zögern, doch schon kurz darauf wischt er alle Zweifel mit seinem gewinnenden Lächeln beiseite: „Ich weiß ja dass es das alles hier oben auch ohne mich noch geben wird!“ Und: „Wahrscheinlich bin ich ja selbst Schuld daran.“ Die Anspielung zielt auf seine Vergangenheit, in der er als Bodybuilder und Strongman-Athlet die Grenzen seines Körpers auszuloten versuchte, und das durchaus mit sportlichem Erfolg. Doch irgendwann fand er das Kraftgeprotze nur noch affig. Lediglich so manch Schmerzen in Knie und Schulter erinnern ihn an das Vergangene und nun eben auch die Kurzatmigkeit, die ihm von den Schlaganfällen geblieben ist.

Vom Kraftmensch zum Naturburschen

Gerade deshalb leben seine Touren durch den Hochwald nicht von den Kilometern und Höhenmetern, die es zurück zu legen gilt. Vielmehr  die Ruhe zwischen den zu gehenden Abschnitten sorgt für ein tieferes Verständnis der Natur. Seine Begegnungen mit der Tierwelt, deren fotografische Dokumentation ihn erst bekannt gemacht haben, leben von ruhigem Abwarten, nicht von der Pirsch. Ruhig heißt dabei keineswegs langweilig. Während wir an unserem Aussichtspunkt sitzen blickt Woife ständig aufmerksam umher und unterbricht das Gespräch immer wieder, wenn er etwas entdeckt. Einen sehr seltenen Schwarzstorch zum Beispiel, der just in dem Moment seine Kreise über dem Bodenmais-Panorama zieht, als wir darüber reden was auf den Wanderungen alles zu sehen ist. „Zu entdecken gibt es immer was“, erklärt Woife nach einer kurzen Entschuldigen für die Unterbrechung. „Nur was genau, das kann ich leider nicht vorhersagen.“ Geduld und Glück, das ist schon jeher das Rezept von Woifes Wanderungen.

Wald verstehen lernen

Zu Erzählen gibt es viel, denn zu fast jedem Geräusch im Wald fällt Woife auch die passende Erklärung ein. War das nun der Schwarzspecht, Buntspecht oder doch der wenig bekannte Dreizehenspecht? Raschelt da eine Eidechse oder eine Haselmaus im Gras? Und was fliegt da gerade über den Wipfeln? Die erstaunlichsten Dinge passieren im Wald, gerade dann, wenn man sie nicht erwartet. Da fliegt ein Habichtskauz über uns hinweg und landet in den Ästen des nächsten Baumes. Ganz ruhig sitzt er da und ebenso ruhig zieht Woife seine Kamera aus der Tasche und fotografiert den seltenen Vogel. „Der war jetzt noch seltener als der Schwarzstorch gerade eben“, erzählt er beim folgenden Abstieg noch ganz aufgeregt. Jetzt blitzen seine eisblauen Augen vor Freude und der Schritt ist gleich ein bisschen beschwingter. „Für diese Augenblicke lebe ich!“ Ist diese Art zu Leben nun der Grund für den Namen „Woid Woife“, der doch sehr an eine Art von „Waldschrat“ erinnert? Nun wird das schmunzeln unter dem dichten Bart doch zu einem breiten Lachen. „Keineswegs! Doch „Woife“ allein war als Name auf Facebook leider nicht möglich, da habe ich mich einfach „Woid Woife“ genannt“, sprach er und lüftete damit auch dieses Geheimnis des Waldes. Wer mehr erfahren will muss sich schon selbst mit Woife auf den Weg machen, hinauf in die Berge rund um Bodenmais.

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